Die letzten Frequenzen
Zwei Frequenzen blieben im Resonanzatlas zurück. Keine weitere Übertragung wurde bestätigt.
Frequenz stabil
Die Frequenz von außerhalb
Wie war das noch mit den Frequenzen und den Resonanzen?
Man sagte einst, jede Frequenz hinterlasse eine Resonanz.
Doch niemand hatte je beschrieben, was geschieht, wenn sich die Module verschieben.
Wenn etwas, das für die Außenwelt gerade erst entsteht, im Hintergrund längst begonnen hat zu schlummern.
Wenn aus Gedanken und Erfahrungen, Traumatas, Module werden.
Aus Modulen Welten.
Und aus Welten etwas, das selbst sein Erbauer
irgendwann nicht mehr vollständig erklären kann.
Doch was besagt ein Resonanzatlas, wenn er zu flackern beginnt?
Beat stand nicht zum ersten Mal vor einem Einbruch.
Hinter ihm lagen Logbücher, technische Forschungen, verworfene Module und Konstruktionen, deren Bedeutung nur die jenigen verstanden, die lange genug zwischen den Frequenzen geblieben waren.
Dann kam die nächste Frequenz.
Und mit ihr eine Verbindung.
Nila.
Für einen kurzen Moment wirkte es, als würde Eloria erneut aus den alten Strukturen emporsteigen. Als hätten die vergessenen Systeme nur auf das richtige Signal gewartet.
Doch während Eloria erwachte, öffnete sich an anderer Stelle das Obsidiantor.
Weitere Chroniken entstanden.
Weitere Reisen begannen.
Welten wurden betreten, Monster geboren, Frequenzen vermessen und neue Module an Stellen eingesetzt, an denen zuvor nur Leere gewesen war.
Doch etwas blieb.
Tief unter dem LYNXA-Portal.
Der Reaktor.
Nur zwei Lieder blieben zurück.
Vorerst.
Denn nicht Beat fiel.
Seine Frequenzen erloschen.
Schwarz.
Niemand wusste, was danach geschah.
Tief in einer von Wolken und Dunkelheit verschlungenen Höhle stand weiterhin der Reaktor des LYNXA-Portals.
Sechs Leitungen führten aus seinem Fundament.
Alte analoge Verbindungen.
Elektronen bewegten sich darin durch Systeme, die längst hätten schweigen müssen.
Man munkelte über das, was dort unten geschah.
Die jenigen, die Beat wirklich erlebt hatten, sahen keinen Helden aus einer Chronik.
Sie sahen den Kampf.
Und sie sahen, dass er ihn allein führte.
Ein Modul konnte berechnet werden.
Seine Energie ließ sich bestimmen.
Eine Frequenz konnte gezündet, verändert oder in ein anderes System übertragen werden.
Doch es existierte keine Berechnung dafür, ob irgendwann einfach alles vorbei sein konnte.
Und was geschieht dann mit all den Welten?
Für jene außerhalb des Portals war es vielleicht nur eine weitere Geschichte.
Welten.
Monster.
Chroniken.
Frequenzen.
Für Beat war es niemals nur das gewesen.
Er wusste, was der Resonanzatlas von ihm verlangte.
Er wusste, was das LYNXA-Portal wollte.
Lange betrachtete er die flackernden Strukturen.
„Dann muss es wohl so sein.“
Denn wenn Module auseinanderbrechen, kann man manche von ihnen nicht reparieren.
Man kann sie nicht mehr stabilisieren.
Nicht mehr schützen.
Manchmal bleibt nichts, das man noch festhalten könnte.
Doch wo sollte Beat noch standhalten?
Er wollte nicht zu dem Monster werden, vor dem er andere schützen wollte.
Menschen, die dieses Monster bereits erlebt hatten, sahen vielleicht nur Störung darin.
Beat sah etwas anderes.
Er senkte den Kopf.
„Ich will niemanden verletzen.“
LYNXA hielt ihn.
Damit er nicht fiel.
Nila und Fiona hatten versucht, ihn zu halten.
Doch selbst ihre Frequenzen konnten nicht verhindern, was inzwischen durch das gesamte Portal wanderte.
Manche behaupteten später, LYNXA sei gefallen.
Andere behaupteten, das Portal sei zerstört worden.
Doch niemand wusste es.
Vielleicht war nichts davon wahr.
Vielleicht war einfach alles zu groß geworden.
Dieses Mal gab es keine Antwort.
Beat rollte weiter.
Hinein in diese ungeheure Schwere aus Leere.
Und plötzlich reagierte das Portal.
Tief unter ihm erwachte der Reaktor.
Ein Impuls durchlief die alten Leitungen.
Elektronen jagten durch analoge Systeme.
Ein kaum messbares Signal.
Fast bedeutungslos.
Und trotzdem rollte Beat weiter.
Sein Herz brach.
Das System meldete keinen Fehler.
Keine Warnung erschien auf den Modulen.
Nur Dunkelheit.
War diese fremde Frequenz lediglich ein Echo?
Oder war sie das Ende hinter allen bisherigen Enden?
Vor ihm erschien das Tor.
Und dahinter wartete der Torwächter.
Seit Ewigkeiten bewachte er etwas, dessen Namen niemand mehr kannte.
Diesmal jedoch stellte er keine Frage.
Er ließ Beat passieren.
Niemand wusste, wohin dieser Weg führte.
Beat antwortete nicht mehr.
Es ging ihm schon lange nicht mehr darum, irgend jemandem etwas zu beweisen.
Dann begannen sich die uralten Strukturen des Portals aufzulösen.
Erst einzelne Linien.
Dann Module.
Dann ganze Teile der Welt.
Als hätte jemand begonnen, seine Existenz aus dem Gefüge von LYNXA herauszuschneiden.
Nila bemerkte es.
Sie rannte los.
„BEEEAAAT!“
Keine Antwort.
Vor den Welten sank Beat auf die Knie.
Dann auf seine Hände.
Um ihn herum zerfielen die Frequenzen.
Der Resonanzatlas verlor eine Linie nach der anderen.
Die Chroniken verschwanden.
Eloria.
Das Obsidiantor.
Die Module.
Die Reisen.
Alles wurde schwarz.
Wohin sollte Beat gehen?
Wohin…
Dann geschah etwas.
Tief unter den sterbenden Welten leuchtete eine einzige Leitung auf.
Bis alle sechs Leitungen des Reaktors wieder Energie führten.
Nicht genug, um das Portal zu öffnen.
Nicht genug, um eine neue Chronik zu beginnen.
Aber genug, um zu beweisen, dass dort unten noch etwas existierte.
Der Resonanzatlas zeigte keine Karte mehr.
Nur zwei Frequenzen.
Zwei Lieder.
Sie sind das Erbe unseres gesamten Projekts.
Die letzten Fragmente einer Reise durch Welten, Chroniken, Monster und Resonanzen.
Und zugleich bilden sie das letzte bekannte Modul des LYNXA-Portals.
Ob danach jemals wieder eine Frequenz gezündet wird, weiß niemand.
Vielleicht ist dies das Ende.
Vielleicht schläft irgendwo bereits etwas Neues.
Denn tief unter dem geschlossenen Portal arbeitet noch immer der Reaktor.
Langsam.
Analog.
Verborgen.
Und er hat nie eine Abschaltmeldung gesendet.