Tracks:
Bewertung:
Releases-Typ: Album
Hauptgenre: Cinematic-OST
Sprache: Deutsch
Veröffentlichungsdatum: Folgt
Echoes Beyond the Gate
Chronik XVI — Die verlorenen Reiche
Nachdem Aserion seine Klinge gegen sich selbst gerichtet hatte, veränderte sich die Welt auf eine Weise, die niemand erwartet hatte.
Nicht durch Explosionen.
Nicht durch Krieg.
Sondern durch Stille.
Zum ersten Mal seit Jahrhunderten verstummten die Maschinenkathedralen.
Ihre gewaltigen Zahnräder stoppten.
Die roten Feuer in ihren Herzen erloschen langsam.
Die metallischen Chöre brachen mitten im Gesang ab.
Und überall in den Reichen fiel schwarze Asche vom Himmel wie lautloser Schnee.
Die Menschen wussten nicht warum.
Doch sie spürten es.
Etwas war verschwunden.
Der Blutmond hing noch immer zerbrochen über der Welt, doch sein Licht war schwächer geworden. Die Stimmen in den Köpfen der Menschen verstummten langsam. Viele wachten wie aus einem Albtraum auf.
Und zum ersten Mal erinnerten sie sich wieder.
An ihre Namen.
An ihre Familien.
An verlorene Städte.
An das Leben vor der Dunkelheit.
Doch genau das machte alles noch schlimmer.
Denn nun sahen sie, was aus der Welt geworden war.
Die großen Königreiche existierten nicht mehr.
Wo einst goldene Städte standen, lagen nur Ruinen unter Bergen aus Asche. Wälder waren zu schwarzen Steinlandschaften erstarrt. Flüsse bestanden aus stillstehendem dunklem Wasser. Ganze Kontinente wirkten leer.
Wie Gräber einer vergessenen Zivilisation.
Die Überlebenden nannten diese Zeit:
Das Zeitalter der verlorenen Reiche.
Die letzten Chronisten begannen zu reisen.
Nicht mehr als Hüter von Wissen.
Sondern als Sammler von Erinnerungen.
Sie wanderten durch die Ruinen der alten Welt und schrieben die Namen der Toten an Mauern, Grabsteine und zerbrochene Kathedralen, damit wenigstens irgendetwas erhalten blieb.
Denn überall verschwanden Dinge weiterhin langsam aus der Realität.
Nicht gewaltsam.
Einfach… still.
Als hätte die Welt vergessen, dass sie jemals existiert hatten.
Einer der Chronisten, ein alter blinder Schreiber namens Vaelor, erreichte die Ruinen von Elyndra.
Einst war es die schönste Stadt der Welt gewesen.
Nun standen dort nur noch leere weiße Türme im Nebel.
Doch als Vaelor die Straßen betrat, hörte er plötzlich Musik.
Leise.
Traurig.
Ein Orchester ohne Musiker.
Im Zentrum Elyndras entdeckte er hunderte Gestalten aus Asche.
Menschen, die regungslos auf den Straßen saßen, als würden sie auf jemanden warten.
Ihre Körper zerfielen langsam im Wind, doch niemand bewegte sich.
Niemand sprach.
Denn diese Menschen waren nicht tot.
Sie hatten nur ihre letzte Erinnerung verloren.
Und ohne Erinnerung konnte selbst die Seele nicht weiterexistieren.
Währenddessen wanderte Aserion alleine durch die nördlichen Ruinen.
Seit seinem Opfer hatte sich etwas verändert.
Die Stimme des Schläfers war schwächer geworden.
Doch dafür hörte er nun etwas anderes:
Die Stimmen der verlorenen Reiche.
Überall, wo er vorbeiging, erschienen Fragmente der Vergangenheit.
Für wenige Sekunden sah er:
Kinder auf verlassenen Straßen spielen,
brennende Königshallen voller Leben,
Märkte,
Musik,
Menschen, die lachten.
Dann verschwanden die Visionen wieder.
Wie Erinnerungen einer sterbenden Welt.
Aserion begriff langsam:
Die Realität selbst trauerte.
Eines Nachts erreichte er die Ruinen seines eigenen alten Königreichs.
Aethryon.
Der Ort, den er einst verraten hatte.
Die gigantischen Mauern lagen zerbrochen im Schnee, während der Wind durch leere Hallen pfiff. Statuen gefallener Könige waren mit schwarzer Asche bedeckt.
Und mitten im Zentrum stand noch immer der alte Thronsaal.
Unberührt.
Dort begegnete Aserion einer Gestalt aus Licht.
Einer Erinnerung.
Eine Frau mit silbernen Augen.
Die Frau aus seinen Visionen.
Sie sprach nicht sofort.
Sie betrachtete ihn nur mit unendlicher Traurigkeit.
Dann sagte sie:
„Du hast versucht, die Welt zu retten.“
„Und dabei alles zerstört.“
Aserion fiel zum ersten Mal seit Jahrhunderten auf die Knie.
Nicht vor Angst.
Vor Schuld.
Die Gestalt erklärte ihm schließlich die Wahrheit über die verlorenen Reiche.
Die Welt starb nicht durch den Schläfer.
Nicht durch die Maschinen.
Nicht durch die Leere.
Sondern durch Hoffnungslosigkeit.
Je mehr Menschen glaubten, dass alles verloren war, desto schneller zerfiel die Realität.
Denn die Welt selbst wurde durch Erinnerung und Bedeutung zusammengehalten.
Und beides verschwand.
Bevor die Gestalt verschwand, gab sie Aserion eine letzte Botschaft:
„Das Schloss kann nicht durch Krieg geschlossen werden.“
„Nur durch Erinnerung.“
„Solange sich jemand an die Welt erinnert… lebt sie weiter.“
Dann löste sie sich im Schnee auf.
Und zum ersten Mal seit Jahrhunderten weinte Aserion.
Doch weit entfernt, tief unter den stillstehenden Maschinenkathedralen, begann etwas Neues.
Die gigantischen Zahnräder bewegten sich erneut.
Langsam.
Schwerfällig.
Als würden sie auf etwas antworten.
Über dem zerbrochenen Blutmond erschienen schwarze Schatten zwischen den Sternen.
Und in der Dunkelheit erklang erneut die Stimme des Schläfers:
„Die Welt erinnert sich.“
„Das darf nicht geschehen.“
Im selben Augenblick begann irgendwo jenseits des Himmels ein weiteres Tor sich zu öffnen.
Nicht auf der Erde.
Sondern zwischen den Sternen selbst.
Chronik XVI endet.
Die Welt versucht sich zu erinnern.
– Beatkonstruktor
Beatkonstruktor® is a registered trademark (DPMA Reg.-Nr. 302025223884).
All musical works protected by GEMA and international copyright.

