Echoes Beyond the Gate Chronik 11 – Der Fall der Königreiche

Interpret: Beatkonstruktor


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Veröffentlichungsdatum: Folgt

Echoes Beyond the Gate
Chronik elf — Die Stadt unter dem schwarzen Meer
Drei Jahre waren vergangen, seit das Obsidian-Tor geöffnet wurde.
Drei Jahre ohne Sonne.
Die Welt lebte noch — doch sie erinnerte sich nicht mehr daran, warum.
Namen verschwanden zuerst.
Dann Gesichter.
Dann ganze Königreiche.
Menschen wachten morgens auf und wussten nicht mehr, wer neben ihnen schlief. Kinder vergaßen die Stimmen ihrer Eltern. Priester standen vor zerfallenen Altären und konnten sich nicht mehr an ihre eigenen Götter erinnern.
Die Gelehrten nannten diese Krankheit:
Den Großen Schattenverlust.
Doch in Wahrheit war es keine Krankheit.
Es war das Tor.
Denn mit jedem Tag fraß das Obsidian-Tor nicht nur Leben…
sondern Erinnerung selbst.

Weit im Süden, unter den schwarzen Klippen von Nareth, existierte ein Ort, den niemand auf Karten zeichnete.
Eine versunkene Stadt.
Begraben unter einem Meer aus schwarzem Wasser und uralten Knochen.
Morvakar.
Die Stadt der schweigenden Glocken.
Dort lebten jene, die sich noch erinnern konnten.
Die letzten Chronisten.
Blind gewordene Schreiber, die ihre Haut mit Runen beschrieben, um Wissen festzuhalten, bevor auch ihre Gedanken verschwanden. In endlosen Hallen aus Stein bewahrten sie die letzten Namen der Welt auf.
Doch jede Nacht hörten sie es näher kommen.
Das Echo.

Tief unter Morvakar begann etwas zu erwachen.
Nicht aus Fleisch.
Nicht aus Dämonenblut.
Sondern aus den vergessenen Gedanken der Menschheit.
Eine gigantische Kreatur aus Schatten, geformt aus verlorenen Erinnerungen und den Stimmen der Toten. Ihre Augen brannten wie flüssiges Silber, während ihr Körper unaufhörlich neue Gesichter formte und wieder verschlang.
Die Chronisten nannten sie:
Den Erinnerungsfresser.
Und sie wussten:
Wenn die Kreatur die Oberfläche erreicht, wird niemand mehr wissen, dass die Welt jemals existiert hat.

Zur gleichen Zeit wanderte der Hüter der Zehnten Chronik weiter durch die tote Welt.
Doch etwas hatte sich verändert.
Zum ersten Mal hörte er Stimmen in seinem eigenen Kopf.
Nicht die Stimmen des Tores.
Seine eigenen Erinnerungen.
Er sah Fragmente eines vergangenen Lebens:

eine brennende Stadt,

eine Frau mit silbernen Augen,

ein Kind im Schnee,

und seinen eigenen Namen.

Aserion.
Der Hüter erinnerte sich daran, wer er einst gewesen war.
Und genau davor hatte das Tor immer Angst gehabt.
Denn solange er namenlos blieb, gehörte er der Dunkelheit.
Mit Erinnerung jedoch…
kehrte Menschlichkeit zurück.

In der Nacht der schwarzen Flut erreichte Aserion Morvakar.
Über der versunkenen Stadt hing ein Sturm aus roten Blitzen. Die Glockentürme ragten wie gebrochene Finger aus dem dunklen Meer, während unter den Wellen gigantische Schatten kreisten.
Die letzten Chronisten knieten vor ihm nieder.
Denn sie hatten ihn erwartet.
In uralten Schriften stand geschrieben:

„Wenn der Namenlose seinen Namen erinnert, beginnt der Krieg gegen das Tor.“

Doch da bebte die gesamte Stadt.
Das Meer teilte sich.
Und aus der Tiefe erhob sich der Erinnerungsfresser.
Sein Körper bestand aus tausenden Gesichtern, die gleichzeitig schrien. Ganze Bibliotheken zerfielen allein durch seine Gegenwart. Menschen vergaßen innerhalb von Sekunden ihre Sprache und ihren eigenen Verstand.
Aserion zog seine schwarze Klinge.
Zum ersten Mal seit Jahrhunderten brannte wieder Licht in seinen Augen.
Nicht das rote Licht des Tores.
Sondern menschliches Feuer.

Der Kampf erschütterte Himmel und Meer.
Jeder Schlag der Kreatur löschte Erinnerungen aus der Welt. Ganze Kapitel der Geschichte verschwanden augenblicklich. Sterne erloschen am Himmel, weil niemand mehr wusste, wie sie hießen.
Doch Aserion kämpfte weiter.
Und mit jedem Tropfen Blut erinnerte er sich an mehr.
An Verrat.
An Liebe.
An den Tag, an dem ER selbst einst das Tor geöffnet hatte.
Nicht aus Gier.
Sondern um etwas Schlimmeres aufzuhalten.
Etwas, das noch immer hinter der Dunkelheit wartete.
Etwas, das selbst das Obsidian-Tor fürchtete.

Als der Erinnerungsfresser fiel, verstummte die Welt erneut.
Doch bevor die Kreatur zerfiel, sprach sie mit tausend Stimmen gleichzeitig:

„Das Tor war niemals das Ende…“
„Es war das Schloss.“

Dann richteten sich alle Augen der sterbenden Kreatur gleichzeitig nach Norden.
Dorthin…
wo selbst die Dunkelheit nicht hinsah.
Und zum ersten Mal empfand Aserion Angst.
Denn irgendwo jenseits der gefallenen Reiche begann nun etwas zu erwachen, das älter war als Götter.
Chronik XI endet.
Die Ketten des Schlosses brechen.

– Beatkonstruktor

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