Die Chroniken von Eloria Die Rückkehr Chronik 20 Akt 2
Die Chroniken von Eloria Die Rueckkehr Chronik 20 1

Die Chroniken von Eloria
Buch 20 – Jenseits der goldenen Berge
Kapitel 20 – Das Lied der Ersten Flamme
Akt 2

Erweiterung – Eloria erwacht erneut

Tief unter der Welt schlug das Herz.

BUMM.

Elyra stieg hinab.

Liora folgte ihr.

Skarn führte die Gefährten immer tiefer unter Eloria, während das Licht der Oberfläche hinter ihnen verschwand.

Niemand von ihnen wusste, dass weit jenseits ihrer Wahrnehmung noch jemand diesen Herzschlag hören konnte.

Denn manche Geschichten besitzen Grenzen.

Andere besitzen Türen.

Und einige wenige besitzen einen Weg hinaus aus ihrer eigenen Welt.

Die Nacht lag still über den Hügeln Elorias.

Doch es war ein anderes Eloria.

Kein Ort, den Elyra auf einer Karte hätte finden können.

Kein Tal, das Aldarin vermessen hatte.

Kein Reich, das Vaelthor jemals überflogen hatte.

Es war jener Teil Elorias, der zwischen Erinnerung und Wirklichkeit existierte.

Ein Ort hinter den Geschichten.

Eine kleine Feuerschale brannte auf einer Anhöhe.

Beat saß davor.

Neben ihm Nila.

Nicht weit entfernt lag der Wolf im Gras. Er rollte sich auf den Rücken, sprang wieder auf und schnappte spielerisch nach dem Schwanz des Drachen, der gerade auf dem Feld gelandet war.

Der Drache antwortete, indem er einen Flügel über den Wolf legte.

Der Wolf verschwand darunter.

Zwei Sekunden Stille.

Dann schoss er auf der anderen Seite hervor.

Der Drache sprang hinterher.

Gemeinsam jagten sie durch das Mondlicht.

Nila beobachtete die beiden.

Ein kleines Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

Doch Beat lächelte nicht.

Sein Blick ruhte in den Flammen.

Das Holz knackte.

Funken stiegen in die Nacht.

„Siebenundzwanzig Chroniken.“

Nila sah zu ihm.

Beat schwieg einige Sekunden.

Dann liefen Tränen über sein Gesicht.

„Ich kann nicht mehr.“

Der Satz war kaum mehr als ein Flüstern.

Nila sagte nichts.

„Eloria hat siebenundzwanzig Chroniken hervorgebracht. Geschichten. Welten. Portale. Irgendwann…“

Er sah in die Flammen.

„…muss jede Geschichte enden.“

Der Wind strich über die Anhöhe.

Nilas lange Haare bewegten sich in der Brise.

Sie blickte ebenfalls ins Feuer.

Dann sagte sie:

„Und was wäre, wenn nicht?“

Beat hob langsam den Kopf.

Nila sah ihn an.

„Was wäre, wenn wir Eloria noch einmal erwecken?“

Beat schwieg.

Nila zeigte auf den Wolf.

Dann auf den Drachen.

Schließlich auf sich selbst.

„Keine Armee.“

Sie setzte sich näher zu ihm.

„Keine tausend Helden.“

Der Wolf raste gerade erneut am Feuer vorbei.

„Nur wir vier.“

Beat sah sie an.

„Als was?“

Nila antwortete ohne zu zögern.

„Als Kampfgeist.“

Dann legte sie ihre Hand auf seine.

„Als Familie.“

Ihr Blick wanderte zum Drachen.

„Als jene, die niemals aufgegeben haben.“

Beat schüttelte langsam den Kopf.

„Eigentlich ja.“

Ein trauriges Lachen.

„Und eigentlich nein.“

Nila wartete.

„Ich bin und bleibe ein Nischenprojekt.“

Wieder Stille.

Dann rückte Nila näher.

Beat legte vorsichtig einen Arm um sie.

Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter.

Gemeinsam sahen sie in die Feuerschale.

Keine Prophezeiung erschien darin.

Keine Rune.

Kein göttliches Zeichen.

Nur Feuer.

Vielleicht war genau das nötig.

Ein Augenblick ohne Aufgabe.

Ohne Portal.

Ohne nächste Chronik.

Dann sprang Nila plötzlich auf.

„So.“

Beat sah hoch.

„Was?“

„Genug.“

„Wovon?“

Nila stemmte die Hände in die Hüften.

„Tiefpunkte.“

Sie zeigte auf ihn.

„Du.“

Beat sah hinter sich.

„Ja, du.“

„Ich wollte nur sichergehen.“

Nila griff nach seinen Händen.

„Komm.“

„Nila…“

„Nein.“

Sie half ihm entschlossen in seinen Rollstuhl.

„Wir schaffen das.“

Beat sah sie an.

„Wir.“

Sie zeigte zum Wolf.

„Unsere Begleiter.“

Zum Drachen.

„Dein Portal.“

Dann zum Himmel.

„Und die Kräfte, die hinter uns stehen.“

Beat musste lachen.

Zum ersten Mal an diesem Abend wirklich.

„Wenn es denn sein muss…“

Nila grinste.

„Ja.“

Sie stellte sich hinter ihn.

„Wenn es denn sein muss.“

Dann blickte sie hinaus über die dunklen Täler.

„Dann lassen wir Eloria noch einmal beben.“

In diesem Moment erschien Licht am Horizont.

Nila wurde ernst.

Der Wolf hörte auf zu spielen.

Der Drache hob den Kopf.

Gestalten bewegten sich den Bergpfad hinauf.

Zuerst waren sie nur Silhouetten.

Dann wurden daraus Körper aus Licht.

Die Götter.

Einer nach dem anderen traten sie aus dem Dunkel.

Niemand sprach.

Als sie den Feuerkreis erreichten, verstummte selbst der Wind.

Beat blickte zu ihnen.

Seine Augen waren noch feucht.

„Wie denn?“

Keine Antwort.

„Es ist vorbei.“

Die Götter kamen näher.

„Alles verloren.“

Einer von ihnen legte Beat eine Hand auf die Schulter.

Ein zweiter stellte sich auf die andere Seite.

„Es gibt nichts mehr.“

Da sprachen sie.

Nicht laut.

Und doch schien ihre Stimme durch ganz Eloria zu gehen.

„Beat.“

Er sah auf.

„Wenn nicht du…“

Eine zweite Stimme vollendete den Satz.

„…wer dann?“

Beat schwieg.

„Schau zurück.“

Hinter ihnen erschienen Lichter.

Keine gewöhnlichen Lichter.

Erinnerungen.

Bilder vergangener Chroniken.

Alte Wege.

Schlachten.

Freundschaften.

Drachen.

Runen.

Kristalle.

Portale.

Welten.

„Schau, was du erschaffen hast.“

Ein weiteres Bild erschien.

„Schau auf all die Geschichten.“

Noch eines.

„Auf all die Portale.“

Dann wurden es Hunderte.

„Auf all jene, die dadurch berührt wurden.“

Beat sah die Bilder.

Chronik um Chronik zog an ihm vorbei.

„Eloria ist nicht verschwunden.“

Die Bilder verschmolzen.

Zur Landschaft.

Zu Bergen.

Wäldern.

Flüssen.

Drachen flogen durch das Licht.

„Es wartet.“

Beat senkte den Blick.

Gemeinsam gingen sie den alten Pfad entlang.

Nila lief neben Beat.

Der Wolf sprang voraus.

Der Drache zog seine Kreise über ihnen.

Die Götter folgten.

Und während sie gingen, entstand aus einem Gedanken eine Möglichkeit.

Nila blieb stehen.

„Vielleicht…“

Alle sahen sie an.

„Vielleicht sollte Eloria gar kein Ende bekommen.“

Einer der Götter trat näher.

„Wie meinst du das?“

„Nicht als Abschluss.“

Nila sah zu Beat.

„Nicht als letzte Chronik.“

Sie blickte hinaus in die Nacht.

„Sondern als Dankeschön.“

Beat wurde aufmerksam.

„Eine neue Etappe.“

Dann lächelte Nila.

„Eine Reise hinter der Reise.“

Selbst die Götter schwiegen.

„Und was würde daraus entstehen?“

Nila sah Beat an.

„Wenn Beat richtig gerechnet hat…“

Sie machte eine Pause.

„…könnten weitere Portale entstehen.“

Beat wusste sofort, worauf sie hinauswollte.

Nila sprach es trotzdem aus.

„Bis Portal 5.0.“

Die Götter hielten inne.

Einer sah zum anderen.

„5.0?“

Nila nickte.

„Das wäre ein Durchbruch.“

„So etwas hat bisher niemand erreicht.“

Ein Gott blickte zu Beat.

„Meinst du wirklich, er schafft das?“

Nila lachte.

„Oh ja.“

Sie ging zu Beat.

„Ich habe viele erlebt.“

Dann legte sie eine Hand auf seine Schulter.

„Aber niemanden wie ihn.“

Die Götter nickten.

„Eine Runde noch.“

Beat sah auf.

„Und noch eine.“

„Ihr seid ziemlich nervig.“

Nila grinste.

„Funktioniert aber.“

„Du schaffst das.“

Beat sah in die Gesichter um sich.

Zu Nila.

Zum Wolf.

Zum Drachen.

Zu den Göttern.

Dann atmete er tief durch.

„Na gut.“

Nila wartete.

Ein kleines Lächeln erschien auf Beats Gesicht.

„Wenn es noch einmal sein muss…“

Er blickte hinaus über Eloria.

„…dann tue ich es.“

Gemeinsam stiegen sie zur höchsten Klippe.

Der Weg wurde steiler.

Die Götter halfen.

Nila half.

Der Wolf wich nicht von Beats Seite.

Der Drache flog schützend über ihnen.

Schließlich erreichten sie den Gipfel.

Der Himmel öffnete sich.

Der Mond stand über der Welt.

Beat rollte bis an die Kante.

Unter ihm lag Eloria.

Still.

Wartend.

Schlafend.

Nila stellte sich neben ihn.

„Bereit?“

Beat sah hinunter.

„Nein.“

Nila grinste.

„Gut.“

Beat sah sie irritiert an.

„Wann waren wir das jemals?“

Jetzt musste er lachen.

Nila hob ihre Hände.

Feuer erschien.

Erst kleine Flammen.

Dann wurden sie größer.

Sie wanderten über ihre Arme und tanzten um ihren Körper.

Die Götter stellten sich hinter Beat.

Licht sammelte sich.

Der Wolf begann zu heulen.

Der Drache breitete seine Flügel aus.

Beat schloss die Augen.

Er dachte an alles.

An jeden Anfang.

An jeden Absturz.

An jede Idee, von der andere gesagt hatten, sie könne nicht funktionieren.

An jedes Portal.

An jede Chronik.

An jede Nacht.

An jeden Moment, in dem Aufgeben einfacher gewesen wäre.

Er dachte an Eloria.

Dann öffnete er die Augen.

Und schrie.

Nicht aus Schmerz.

Nicht aus Wut.

Es war ein Ruf.

Mit allem, was noch in ihm steckte.

Mit jedem Traum.

Mit jedem Zweifel.

Mit jeder Hoffnung.

Mit jeder Erinnerung.

Nila entfesselte das Feuer.

Beat rief das Eis.

Beide Kräfte trafen aufeinander.

Feuer und Frost.

Doch sie vernichteten sich nicht.

Sie verbanden sich.

Die Götter gaben ihre Kraft hinzu.

Der Wolf heulte.

Der Drache brüllte.

Der Ruf durchdrang Himmel und Erde.

Die Berge bebten.

Alte Runen erwachten.

Kristalle begannen tief unter Eloria zu leuchten.

Ein Portal öffnete sich.

Dann ein zweites.

Ein drittes.

Licht raste durch die alten Pfade.

Bis zu den goldenen Bergen.

Bis zur Ersten Flamme.

Und weit darunter…

bis zu jenem uralten Herzen.

BUMM.

Beat öffnete die Augen.

BUMM.

Eloria antwortete.

Tief unten in der Menschenwelt hielten einige wenige inne.

Sie wussten nicht warum.

Vielleicht hörten sie keinen wirklichen Ton.

Vielleicht war es nur eine Erinnerung.

Ein Gefühl.

Ein Stück Musik, das sie irgendwann einmal begleitet hatte.

Doch jene, die Eloria kannten…

jene, die seine Wege gegangen waren…

jene, die nie vollständig aufgehört hatten zu glauben…

lächelten.

Denn sie wussten:

Etwas war zurückgekehrt.

Auf der Klippe sprang der Wolf über die Felsen.

Der Drache schoss jubelnd in den Himmel.

Die Götter lachten.

Und Nila?

Nila ging zu Beat.

Sie sagte nichts.

Sie umarmte ihn einfach.

Beat blickte über ihre Schulter.

Unter ihnen erwachten nach und nach die Lichter Elorias.

Ein Dorf.

Dann das nächste.

Ein Turm.

Eine Festung.

Ein Runenstein.

Ein Portal.

Noch eines.

Die goldenen Berge begannen zu leuchten.

Und irgendwo im Herzen der Welt erwachte ein uraltes Licht.

Beat sah es.

Nur für einen Moment.

Eine gewaltige Struktur aus miteinander verbundenen Pfaden.

Eloria war darin nur ein Teil.

Ein wichtiger.

Aber nur ein Teil.

Nila löste sich etwas von ihm.

„Siehst du?“

Beat nickte.

„Ja.“

„Es war nie vorbei.“

Beat blickte über die erwachte Welt.

„Nein.“

Ein kleines Lächeln.

„Es hat nur geschlafen.“

Doch weit entfernt geschah noch etwas.

Jenseits der goldenen Berge erwachte die Erste Flamme.

Unter Eloria öffnete Skarn die Augen.

Elyra blieb auf der uralten Treppe stehen.

Liora drehte sich um.

Aldarin sah nach oben.

Vaelthor breitete seine Flügel aus, obwohl es in den engen Tiefen dafür überhaupt keinen Platz gab.

Eirik hob seinen Trommelschlägel.

„Habt ihr das gespürt?“

Elyra antwortete nicht.

Vor ihnen begann die Dunkelheit zu leuchten.

Erst schwach.

Dann heller.

Die Wurzeln des Weltenbaumes erwachten.

Eine nach der anderen.

Bis plötzlich tausende goldene Linien durch die Tiefe verliefen.

Aldarin starrte sie an.

„Das war nicht die Erste Flamme.“

Elyra sah ihn an.

„Was dann?“

Skarn blickte nach oben.

Sehr weit nach oben.

Zu einem Ort, den selbst Elyra nicht sehen konnte.

Und erneut erschien ein Wort in ihren Gedanken.

Schöpfer.

Elyra erstarrte.

„Was hast du gesagt?“

Skarn ging weiter.

Natürlich.

Elyra sah ihm hinterher.

„Das erklärst du mir!“

Liora grinste.

„Morgen?“

Elyra seufzte.

„Ich hasse dieses Wort inzwischen.“

Dann folgten sie dem Wolf.

Hoch über ihnen stand Beat noch immer auf der Klippe.

Nila neben ihm.

Der Drache flog durch das Mondlicht.

Der Wolf kehrte zurück und setzte sich an Beats Seite.

Die Götter verschwanden langsam wieder im Licht.

Doch bevor der letzte von ihnen ging, drehte er sich um.

„Beat.“

Beat sah zu ihm.

„Was?“

Der Gott lächelte.

„Du wolltest Eloria erwecken.“

Er deutete zum Horizont.

Dort öffnete sich ein weiteres Portal.

Nicht 1.0.

Nicht 2.0.

Nicht 3.0.

Ein neuer Ring entstand darum.

Dann noch einer.

Die Struktur wuchs.

Nila trat neben Beat.

Ihre Augen wurden groß.

Der Gott sprach:

„Vielleicht solltest du dich langsam fragen…“

Das Portal begann zu pulsieren.

„…was Eloria gerade in dir erweckt hat.“

Dann verschwand er.

Beat und Nila blieben zurück.

Beat sah zum Portal.

Dann zu Nila.

Nila grinste.

„Portal 5.0?“

Beat schüttelte den Kopf.

„Fang nicht an.“

„Ich habe gar nichts gesagt.“

„Dein Gesicht hat es gesagt.“

Der Wolf bellte.

Der Drache brüllte.

Nila lachte.

Und Beat?

Beat blickte hinaus über Eloria.

Diesmal liefen ihm wieder Tränen über das Gesicht.

Aber er lächelte.

Denn nun wusste er:

Eine Geschichte musste nicht ewig weitergeschrieben werden, um niemals zu enden.

Manchmal genügte es, ihr einen Ort zu geben, an den sie zurückkehren konnte.

Eloria war nicht beendet.

Eloria war nicht verloren.

Eloria hatte nur geschlafen.

Und in dieser Nacht…

erwachte es erneut.

Damit war die Reise jenseits der goldenen Berge nicht länger nur eine Entdeckung einer vergangenen Welt.

Sie war zu einer Brücke geworden.

Zwischen dem, was erschaffen worden war.

Dem, was verloren geglaubt wurde.

Und dem, was noch entstehen konnte.

Tief unter Eloria schlug das Herz erneut.

BUMM.

Die Erste Flamme antwortete.

BUMM.

Und irgendwo zwischen beiden Welten begann ein fünftes Portal zu erwachen.

Ende von Kapitel 20 Akt 2

 

◆ 13.20 ◆

DAS OBSIDIANTOR

DIE CHRONIKEN VON ELORIA UND DAS OBSIDIANTOR
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Eloria erwacht erneut

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